Die Ich-Erzählerin Alice lebt in Australien, wo ihre Eltern nach der Flucht aus China und Kambodscha bzw. Vietnam ein neues Leben anfangen wollen. Die ersten Eindrücke der neuen Kultur sind überwältigend und für die Mutter bisweilen überfordernd. Die Anwesenheit der Schwiegermutter macht es für die junge Frau nicht einfacher und auch Töchterchen Alice ist hin und her gerissen. Doch nach und nach schafft die Familie den Aufstieg und das Kind aus schlichten Verhältnissen schafft es einen Studienplatz für Jura zu ergattern.
Alice repräsentiert die zweite Generation Asiaten in Australien. Zwar stellt ihr das Land all seine Möglichkeiten offen, doch der familiäre Rahmen ist eng gesetzt. Sie steckt zwischen den beiden Kulturen, will es ihren Eltern recht machen und die asiatische Kultur und Tradition auch bewahren, andererseits merkt sie, dass sie keinen Zugang zur Jugendkultur hat und beispielsweise bei ihrem ersten Date völlig überfordert ist.
Über weite Teilen schwankt das Buch zwischen zwei Extremen: mit viel Humor werden die Erfahrungen der Asiaten im neuen Land geschildert, gleichzeitig verschweigt Pung auch die Grausamkeiten nicht, die die Familienmitglieder erlebt haben und das streng geordnete hierarchische Familiensystem mit all seinen Regeln. Entfremdung der Kinder durch die neue Kultur, auftauchende sprachliche Barrieren im neuen Land aber auch zwischen den Generationen, Verständnislosigkeit und falsche Vorstellungen von den Kulturen, all das gelingt es Alice Pung in ihrem biographisch angelegten Roman unterzubringen.
Ein Buch, dass sehr viele Einblicke in eine fremde Kultur und in das innerste der Familien erlaubt. Als besonderes Extra noch ein Nachwort von Olga Grjasnowa, die ähnliche Erfahrungen in ihrem Leben gemacht hat.
*****/5
Posts mit dem Label Biographie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Biographie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, 27. Dezember 2012
Freitag, 19. Oktober 2012
Mirjam Pressler - Ein Buch für Hanna
Mirjam Pressler zeichnet den Lebensweg von Hanna nach. Angelehnt an wahre Begebenheiten wird die Geschichte eines jungen, jüdischen Leipziger Mädchens erzählt, die sich mit ihren Freundinnen noch kurz vor den exzessiven Gewaltausbrüchen der Nazis nach Dänemark retten kann. Lebt sie zunächst in einer Art Sommercamp, wo sie trotz der Trennung von der Mutter fast ausgelassen den Sommer genießen kann, wird sie im Anschluss bei einer wohlhabenden Kopenhagener Familie untergebracht, die sie fast wie eine ihrer Töchter behandeln. Die Lage spitzt sich auch in Dänemark immer weiter zu, so dass die Freundinnen schon bald die Stadt verlassen müssen und aufs Land zu Familien ziehen. Da Leben dort ist hart und anstrengend, doch auch hier gelingt es Hanna und ihrer besten Freundin Mira das Beste daraus zu machen. Mit dem Angriff auf das Nachbarland hat das Naziregime auch dort die Situation für die jüdische Bevölkerung unmöglich gemacht und unausweichlich fallen die Mädchen den Soldaten schließlich in die Hände und werden nach Theresienstadt gebracht. Für manche die letzte Station ihres jungen, permanent von Flucht und Angst geprägten Lebens.
Die Lebensgeschichte Hannas, sicherlich beispielhaft für viele der damaligen Zeit, geht dem Leser sehr nah. Die Beschreibungen in Theresienstadt sind unglaublich und erschreckend. Schön zu wissen, dass es trotz allem aber auch positive Momente und Erfahrungen gab, die jedoch vielfach in den Personen selbst begründet liegen. Ein nachdenklich Stimmendes Zeugnis der dunkelsten Epoche der deutschen Geschichte.
*****/5
Die Lebensgeschichte Hannas, sicherlich beispielhaft für viele der damaligen Zeit, geht dem Leser sehr nah. Die Beschreibungen in Theresienstadt sind unglaublich und erschreckend. Schön zu wissen, dass es trotz allem aber auch positive Momente und Erfahrungen gab, die jedoch vielfach in den Personen selbst begründet liegen. Ein nachdenklich Stimmendes Zeugnis der dunkelsten Epoche der deutschen Geschichte.
*****/5
Freitag, 5. Oktober 2012
Elizabeth Wurtzel - Prozac Nation/Verdammt schöne Welt
Elizabeth Wurtzel berichtet von ihrem Leben mit der Depression. Sie zeichnet ihre (noch) glückliche Kindheit nach bis plötzlich während der Pubertät ihr Leben aus den Fugen gerät und auf zunächst unerklärliche Weise Trägheit, Antriebslosigkeit, Weinkrämpfe, Angstzustände und Panik ihren Tagesablauf bestimmen. Eine Odysse zwischen Unverständnis ihres Umfelds und der Familie, verschiedenen Psychologen und Psychiatern, diversen Medikamenten und Therapien beginnt. Jedoch tritt keine Besserung ein. Bis sie ganz am Ende ist und jede Form von Lebenswillen verloren hat - die junge, talentierte und auch erfolgreiche Frau. In ihrem Fall kommt zum richtigen Zeitpunkt Prozac auf den Markt, was ihr ein relativ normales Leben mit Auf und Ab in erträglichen Dosen ermöglicht.
Das Buch lässt einem sehr intensiv nachvollziehen, wie es Menschen mit dieser Krankheit geht. Warum "sich einfach mal zusammenreißen" oder "aufraffen" eben nicht funktionieren kann. Eine schonungslose Abrechung mit sich selbst, der eigenen Familie, den Ärzten, aber auch der Gesellschaft und ihrem Umgang sowohl mit der Krankheit Depression, aber auch mit der inzwischen inflationären Verschreibungspraxis von Psychopharmaka.
Unbedingt empfehlenswert für alle, die Verständnis für das entwickeln wollen, was in depressiven Menschen vor sich geht. Und ein klares Zeichen für alle, die mal ein wenig durchhängen und sich selbst bemitleiden. Wer das Leid von Elizabeth Wurtzel gelesen hat, merkt, wie gut es einem geht und wie wenig krank man ist. Glücklicherweise.
*****/5
Das Buch lässt einem sehr intensiv nachvollziehen, wie es Menschen mit dieser Krankheit geht. Warum "sich einfach mal zusammenreißen" oder "aufraffen" eben nicht funktionieren kann. Eine schonungslose Abrechung mit sich selbst, der eigenen Familie, den Ärzten, aber auch der Gesellschaft und ihrem Umgang sowohl mit der Krankheit Depression, aber auch mit der inzwischen inflationären Verschreibungspraxis von Psychopharmaka.
Unbedingt empfehlenswert für alle, die Verständnis für das entwickeln wollen, was in depressiven Menschen vor sich geht. Und ein klares Zeichen für alle, die mal ein wenig durchhängen und sich selbst bemitleiden. Wer das Leid von Elizabeth Wurtzel gelesen hat, merkt, wie gut es einem geht und wie wenig krank man ist. Glücklicherweise.
*****/5
Abonnieren
Posts (Atom)