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Sonntag, 6. November 2016

Mleanie Raabe - Die Wahrheit

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Melanie Raabe - Die Wahrheit

Sieben Jahre lang musste Sarah Petersen mit der Ungewissheit leben, was mit ihrem Mann geschehen ist. Sieben Jahre zwischen der Sorge, dass er tot sein könnte, und der Hoffnung, dass er wieder zurückkehrt zu ihr und ihrem gemeinsamen Sohn Leo, der keine Erinnerung an den Vater hat. Dann kommt der Anruf vom Auswärtigen Amt: man konnte ihren Mann in Kolumbien befreien und er ist auf dem Weg nach Deutschland. Voller Spannung fiebert Sarah dem Moment am Flughafen entgegen. Wie wird das Wiedersehen sein? Wie hat sich Philipp verändert? Doch dann der Schock: ein Fremder steht vor ihr und gibt sich als ihr Mann aus. Nimmt den Sohn auf den Arm, um den Journalisten zuzuwinken, die auf sensationelle Fotos bei die diesem spektakulären Fall hoffen; geht mit ihr nach Hause. Dort beginnt das perfide Spiel. Sarah droht die Behörden über den Betrug zu informieren, doch der Mann warnt sie: er wird auch sie auffliegen lassen, denn er kennt ihr dunkel Geheimnis. Was führt er im Schilde? Wer ist er? Und warum glauben selbst ihre Freunde dem charismatischen Fremden mehr als ihr? Seine Taktik ist offensichtlich: sobald Sarah von allen als verrückt wahrgenommen wird, kann er sie einweisen lassen und ganz über das Vermögen der Familie Petersen verfügen.

Ein spannender Thriller, der einem an unzähligen Stellen das Herz aussetzen lässt. Zunächst Sarah zwiegespaltene Stimmung ob der guten Nachrichten: nach so vielen Jahren wieder gemeinsam leben? War nicht eigentlich die Ehe zwischen ihr und Philipp am Ende, als er damals verschwand? Hatte sie nicht sogar damit gerechnet, dass er alles geplant hatte? Sehr nah und glaubwürdig folgt man ihren Sorgen. Dann der Schock über diesen Fremden und ihre blanke Angst allein mit ihm im Haus zu sein. Bedrohung folgt auf Bedrohung, was wird er tun? Man kann Sarahs Furcht regelrecht greifen und wird als Leser in dasselbe Gefühl geschickt. Gänsehaut ist angesagt als er klar ist, dass der Kampf nicht physisch, sondern psychisch ausgetragen wird. Die schlimmsten Momente sind jedoch die, wenn Sarah Hilfe sucht und diese verwehrt wird. Ihre Hilflosigkeit und Verzweiflung sind dermaßen greifbar, dass man sie selbst als Leser spüren kann.

Zunehmend kann man auch die Perspektive des Antagonisten nachvollziehen, mehr und mehr Informationen erhält man von ihm, ohne jedoch seine Motive durchschauen zu können. Ab einem gewissen Punkt wendet sich langsam das Blatt und man fragt sich, ob nicht auch Sarah eine andere Rolle hat als nur die des Opfers. Man bekommt Zweifel und im Raum steht immer noch die Frage, womit sie erpressbar ist. Was hat sie getan? Ist sie womöglich selbst eine Mörderin?

Was kann sich mehr von einem Thriller wünschen als starke Charaktere und nervenzerreißende Spannung? Melanie Raabe gelingt genau das. Dass sich die klare Verteilung in Gut und Böse plötzlich auflöst und man beginnt zu zweifeln und die Dinge neu zu bewerten: schlichtweg hervorragend von der Autorin konstruiert. Der Roman reißt einem mit sich und aufzuhören zu lesen, ist schlichtweg unmöglich. Gespannt war ich besonders auf die Auflösung. Wie kommt man aus dieser Situation heraus, die irgendwann für den Leser emotional auch schwer zu beurteilen ist? Und die Antwort: nicht so gelungen. Nein, mich konnte ihr Ausweg nicht überzeugen. Zum einen kam er zu unvermittelt und unvorbereitet. Das soll’s gewesen sein? Zum anderen ist es für mich nicht ganz glaubwürdig, dass dies psychologisch möglich sein soll, was sich abgespielt hat. Zwar kann alles erklärt werden und offene Fragen bleiben letztlich nicht, aber enttäuscht war ich schon. Hochspannung über mehr so eine lange Strecke und dann ein doch recht banales Ende. Schade, der Roman hätte eine angemessene Auflösung verdient.

Ein herzlicher Dank geht an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zum Titel finden sich auf der Seite der Verlagsgruppe Random House.

Samstag, 10. September 2016

Karl Olsberg - Mirror

Rezension, Thriller, Roman

Der Mirror ist Dein bester Freund. Er kennt Dich besser, als Du Dich selbst. Also hab Vertrauen, denn er will nur das Beste für Dich. Andy erkennt dies schnell, das größte Problem für den Autisten ist der soziale Umgang mit Menschen, er kann Gesichter nicht lesen und Gefühle schwer verstehen, doch der Mirror kann ihm helfen, diese Distanz zu überwinden und schnell schon bringt er ihn sogar mit einem Mädchen zusammen, Viktoria, die ihn trotz seines Handicaps mag. Auch Jack erkennt den Nutzen des Geräts, hat es ihm doch gerade dabei geholfen, innerhalb weniger Tage seine hohen Schulden bei seinem Dealer erfolgreich zu begleichen und dessen Beißhunde in die Flucht zu schlagen. Auch Lukas will nicht mehr ohne ihn leben, zwar konnte er die Trennung von Ellen nicht verhindern, aber dafür hat er ja jetzt eine neue Freundin. Auch Carl Poulsen, Erfinder des Mirrors und Firmenchef, erlebt, dass sein kleines Wunderwerk funktioniert als dieses eigenständig den Notarzt verständigt, um seinen Vater zu retten. Die Welt ist so viel besser dank der neuen Möglichkeiten. Warum wollen also kleine, renitente Figuren wie die Journalistin Freya dagegen ankämpfen? Das System will nur das Beste für alle und wer das nicht will, muss ja logischerweise ein Feind sein, den man mit allen Mitteln bekämpfen muss.

Ein gar nicht so fernes Zukunftsszenario eröffnet die Mirrorwelt vor uns. Technik, die uns immer mehr abnimmt, Defizite ausgleichen kann und gar schon über teile unseres Lebens die Kontrolle übernimmt. Immer mehr sind wir bereit fremdsteuern zu lassen, im Vertrauen auf Algorithmen, die schon wissen werden, was sie tun. Karl Olsberg führt dies nur einen einzigen Schritt weiter und genau das macht das Szenario so unglaublich authentisch. Alle Funktionen sind nachvollziehbar und erscheinen schon bald realisierbar. Auch die Reaktionen der Figuren auf die technischen Neuerungen sind glaubwürdig und es erfordert nicht viel Phantasie, dass die fiktive Handlung schon bald sehr real sein könnte. Insbesondere die gewaltige Reaktion aus Verlustangst am Ende lässt sich heute schon mit Entzugserscheinungen bei Handyentzug erkennen.


Das Thema ist brandaktuell, die mit dem Buch verbundene Message liegt auf der Hand. Kurze Kapitel, schnelle Sprünge zwischen den unterschiedlichen Figuren und Handlungen schaffen ein hohes Tempo, was gut zur aufgeregten, temporeichen und im Dauer-multi-tasking-Modus befindlichen Internetwelt passt. Die Tatsache, dass vieles nah an der Realität bleibt, veranschaulicht, wie schnell aus nützlichen Assistenten Gefahren werden können und dass wir mit unserem eigenen Verhalten maßgeblich bestimmen, inwieweit wir Kontrolle abgeben möchten. Damit gelingt Karl Olsberg eine überzeugende Verbindung von spannender Unterhaltung und echter Relevanz. 

Sonntag, 3. Juli 2016

Shari Lapena - The Couple Next Door

The perfect crime. Nothing can go wrong, it has been perfectly thout-out. But then, all is a mess. Anne and Marco are at a party at their neighbours’. Their baby daughter is at home, alone since the babysitter cancelled at short notice. But what can happen with the parents just next door and checking on the girl every 30 minutes? However, when they finally come home at half past one in the morning, the front door is ajar and the girl is gone. For the police, the parents immediately are among the suspects – and neither Anne nor Marco know whom to trust anymore. It soon becomes obvious that both of them have kept some secrets, but they are not the only ones with something to hide.

Shari Lapena has constructed a thriller which really is worth calling it one. Dropping hints here and there you quickly realize that you cannot be sure about any of the characters and that there is much more at stake than just an abducted girl. New information every so often makes you reconstruct your idea of what really happened in that night. You have just finished adjusting your thesis and it is gone. Towards the end, an even larger conspiracy comes out which is a real surprise but makes perfectly sense.


What I appreciated about the novel was not only that it could surprise me more than once, but especially the way the characters were drawn. None of the one-dimensional they all had different shades of good and bad, of reckless and compassionate which made them appear quite lively. The plot is very well constructed, it is full of suspense and keeps you reading on the find out what is all behind. To me, it was entertainment at its best.

Sonntag, 12. Juni 2016

Fiona Barton - The Widow

What happened to little Bella? The 2-year-old girl vanished from the garden and has never since been seen. Soon a man comes into the focus of the police: Glen Tayler. He recently lost his good job at a bank and now earns his living as a delivery man. From the outside he seems to live the perfect life: small house, nice wife, good job. But behind the scenes, a lot is going wrong: Jean Taylor is under constant surveillance of her husband and there are many things he hides from her. Only when the police knock on their door she becomes fully aware of whom she is married to – and suspicious of what a crime he might have committed.

I had very high expectations but admittedly I am a bit disappointed. The novel lacks the suspense and thrill I had anticipated. Yea, of course, throughout the story you can never be completely sure who was responsible for which crime, which character is not telling the truth and how all the small pieces, narrated in discontinuity, integrate into one story. What irritated me the most was the protagonist, the widow, Jeanie. At first I had the impression of a very clever and canny woman who knows exactly what she is doing and who is a perfect actor at the same time playing with the press and portraying the image they want to have. I thought she developed into that strong woman from the grey mouse, but while reading she did not become cleverer but duller and naïve – it just did not make sense. The woman of the first few pages is not the one we meet at the end – and those parts play at the same moment. Also her antagonist, journalist Kate, sometimes seemed to be a very battlesome character, but then again she is rather stupid and weak. All in all, a good story, but some aspects just do not fit together and from this type pf novel I expect a bit more thrill.



Samstag, 11. Juni 2016

Wendy Walker - All is not forgotten

A typical party, a lot of alcohol a girl, an incredible crime. 15-year-old Jenny Kramer is raped in the woods close to a party. She has lost consciousness when she is found and when the parents are offered a drug to make her forget what has happened to her, they agree. However, this also means that the offender cannot be identified because the victim cannot provide any facts. The family decides to bring back Jenny’s memory with the help of a therapist. He digs deep and does not only unveil details of this deed, but also secrets of the family members. And slowly it becomes obvious that he himself has some secrets to be kept well hidden.

Wendy Walker’s thriller offers everything of novel of this genre needs: a lot of suspense, unexpected twists and turns, abysses of the human character. Whenever you believe you have identified what happened and who is guilty, some new aspects pop up – all well motivated and believable – and you have to adjust your theory. This lasts until the very last page when you finally get the big picture and a complete explanation.

What I found most impressive is the psychological aspects of the human soul and the mode of operation of the memory. To some extent the novel is also a kind of study into the human brain which I found quite fascinating. Having the story told from a psychiatrist’s point of view is definitely an interesting mode of presentation and integration this characters with his own motives into the plot makes the whole story even more thrilling.


Mittwoch, 15. Januar 2014

Jenk Saborowski - Argwohn

Der dritte Fall um die Sonderermittlerin Solveigh Lang.
Die Zentrale der Europapolizei ECSB wird heimtückisch angegriffen. Solveigh muss mit ansehen, wie viele ihrer Kollegen rücksichtslos niedergemetzelt werden und schwört Rache. Recht schnell ist klar, dass es einen Maulwurf im haus gibt und dieser führt direkt zur italienischen Mafia. Der Gegner ist gesetzt und die Jagd beginnt. Währenddessen sind zwei moldawischen Mädchen mit großen Erwartungen an einen Menschenhändlerring geraten und in München gibt ein konservierter Arm der Polizei Rätsel auf. Dass diese Ereignisse alle eine Verbindung haben und internationale Kooperation und Eile gefragt sind, lassen die Handlung zu einem rasanten Wettlauf gegen die Zeit und einen noch im Versteck agierenden Psychopathen werden.

Wie auch schon die Vorgänger besticht dieser Thriller durch ein hohes Tempo und viele parallel verlaufende Handlungsstränge, die nach und nach ineinander verwoben werden. Die Figuren sind jede auf ihre Weise ungewöhnlich und unkonventionell, was ihnen erlaubt, auch abseits der breitgetretenen Ermittlungspfade zu wandeln und mit kreativen Ideen den Tätern das Handwerk zu legen. Die Handlung an sich ist hochaktuell, glaubwürdig erzählt und gelöst. Die Spannung zieht sich von der ersten bis zur letzten Seite. Vielleicht hätte man aus den zwei großen Fällen auch zwei Bücher machen können, gerade der Psychopath kommt ein wenig zu kurz. Dies schmälert aber in keiner Weise die Unterhaltung.

5/5

Samstag, 30. November 2013

Ethan Cross - Ich bin die Nacht

Ein unheimlicher Serienmörder terrorisiert die USA, Francis Ackerman Jr. spielt mit seinen Opfern, vermeintlich haben sie eine Chance gegen ihn, faktisch gewinnt jedoch immer nur er. Mit dem ehemaligen Ermittler des New Yorker Morddezernats Marcus bekommt er jetzt einen ebenbürtigen Gegenspieler. Doch nicht nur diese beiden tragen ihren Kampf um Leben und Tod aus. Schnell sieht sich Marcus in seiner neuen Heimat Ashteron auch noch anderen Feinden gegenüber, er hat es mit dem Sheriff und seiner Bande aufgenommen, die offenbar über dem Gesetz stehen und nur ihre eigenen Regeln im Kampf gegen das Böse gelten lassen. Vom friedlichen Leben, das er sich erträumt hatte, ist schon nach den ersten tagen nichts mehr übrig.

Ethan Cross' Thriller legt flott los und zeichnet mit Ackerman einen interessanten Charakter als Serienmörder. Zwar können seine Spieltaktiken nicht halten, was die Werbung für das Buch verspricht, nichtsdestotrotz ist der Roman mit ordentlich Spannung aufgebaut. Mit vorschreitender Handlung wird vieles jedoch absurd und unglaubwürdig. Hinzu kommt die bisweilen holprige Übersetzung, die für mich durchaus ein Ärgernis darstellt (ganz davon abgesehen, dass für die deutsche Ausgabe ein Titel gewählt wurde, der weder passend ist noch dem Original gerecht wird). Am Ende kommt eine ausgesprochen überraschende Wendung, die zwar wieder ein wenig mehr Logik in das zuvor geschilderte bringen kann, mich aber nicht wirklich überzeugt.

Edit: nachdem ich in das Hörbuch reingehört habe und feststellen konnte, dass Thomas Balou Martin eine sehr ausdrucksstarke Stimme hat, die dem Buch ein besonderes Flair verleiht, komme ich zu dem Schluss, dass man es vielleicht eher hören als lesen sollte.

***/5

Sonntag, 15. September 2013

Massimo Carlotto – Die Marseille Connection

Im ukrainischen Wald Nähe des toten Reaktors von Tschernobyl gelingt es dem FSB dank eines Spitzels einen Mafiaclan zu eliminieren. Vor der somalischen Küste wird dezent Müll im Meer entsorgt. In Indien muss eine mutige Reporterin wegen ihrer Recherche zu illegalem Organhandel mit dem Leben bezahlen. Im Grenzgebiet zwischen Paraguay und Argentinien gerät ein übermütiger Drogenmittelsmann in die Schusslinie chinesischer Banden. Massimo Carlotto lässt all diese Ereignisse in Marseille in einem cleveren Gestrüpp von Geheimdiensten, Polizei, Mafiosi und Wirtschaftskriminellen zusammenlaufen.

Es messen sich ein Team unorthodoxer Polizisten, die wegen ihrer korrupt-kriminellen Vergangenheit nichts zu verlieren haben und dank der cleveren Kommissarin Bernadette Bourdet – genannt B.B. - einige Erfolge verbuchen können. Eine Gruppe hochbegabter Wirtschaftsstudenten, die glauben, den ultimativen Plan internationaler Gaunerei entwickelt zu haben und zunächst Millionen von Euros auf ihren Konten verbuchen. Lokale Drogenbosse, die ihr Geschäft in Gefahr sehen und ihren Weg mit Leichen pflastern. Eine kleine, aber feine Gesellschaft aus angesehenen Mitgliedern der französischen Gesellschaft, die bestens vernetzt sind und ebenfalls ein Interesse daran hegen, dass ihre nicht ganz sauberen Geschäfte ungestört weiterlaufen.


Ein anspruchsvoller Wirtschafts- und Drogenthriller, der hochkomplex die ganze Aufmerksamkeit des Lesers fordert. Viele Figuren interagieren parallel, unterschiedliche Schauplätze, Handlungsstränge und illegale Machenschaften wechseln sich in rasantem Tempo ab und die Zusammenhänge zeigen sich erst nach und nach. Jeder glaubt jedem einem Schritt voraus – doch Carlotto führt sie alle in die Falle und wartet am Ende mit einem verblüffenden Finale, das alles in diesem Genre in den Schatten stellt.

*****/5

Sonntag, 18. August 2013

Karen Sander - Schwesterlein, komm stirb mit mir

Eine schauderhafte Mordserie an Transsexuellen stellt die Mordkommission Düsseldorf vor viele Fragen. Sie bittet die Psychologin Liz Montario zu Hilfe, die schön früher Muster bei Serienmördern erkennen konnte. Dass sie selbst derzeit Opfer einer Bedrohung wird, verschweigt sie. Ebenso ihren familiären Hintergrund, der Auslöser für ihre psychologische Spezialisierung. Eine zweite grausame Mordserie beginnt und Liz muss schon sehr bald erkennen, dass sie das Zentrum eines perfiden Katz-und-Maus-Spiels ist und nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Leben ihrer Freunde und Kollegen in größter Gefahr ist.

Der Thriller lässt es an Spannung nicht mangeln. Verschiedene Ereignisse und Handlungsstränge werden von Karen Sander sauber und logisch in grausamer Weise zusammengeführt. Auch erspart sie dem Leser abscheuliche Tatortbeschreibungen nicht, obwohl letztlich psychologische Faktoren und nicht reine Mordlust hinter den Motiven des Mörders stecken. Die Charaktere sind vielschichtig gezeichnet, insbesondere Liz, mit Stärken und Schwächen, auch die Darstellung der Polizei verzichtet auf übernatürliche Superhelden, sondern lässt sie auch mal Fehler begehen ohne gleich dümmlich und unfähig zu wirken. Kleine Seitenhiebe und Nebenschauplätze haben durchaus ihren Reiz.


Gute Unterhaltung, intelligent konstruiert und fesselnd geschrieben. 

*****/5

Montag, 14. Januar 2013

Max Bronski - Der Tod bin ich

Max Bronski nahm Wissenschaftler auf der Suche nach der Weltformel, die Zeit des kalten Krieges im geteilten Deutschland, vier sich gegenseitig bespitzelnde Geheimdienste, eine Menge Hybris und einen genialen Einfall eines jungen zwischen die Fronten geratenen Physikers, um daraus einen anspruchsvollen, aber überzeugenden Roman zu schaffen.

Erzählt wird die Geschichte des Bertold Oftenhain, dessen Liebe für die Physik und die Musik ein Leben lang unter den unterschiedlichen Einflüssen russischer, amerikanischer, englischer sowie DDR Geheimdiensten steht, die ihm nicht nur den Ruhm und die Anerkennung für seine Entdeckung rauben, sondern auch seine geliebte Frau, den Sohn und die gesamte Lebensplanung nehmen. Nachdem er sich schon lange mit allem arrangiert hat, wir er jedoch genauso wie seine Gegenspieler von der Vergangenheit eingeholt und er muss für seine Entscheidungen aus jungen Jahren nochmals zahlen.

Das Label "Thriller" halte ich für nicht gut gewählt. Max Bronski hat einen zum teil klassischen Spionageroman geschrieben, in dem sich die alten Kräfte gegenüber stehen und versuchen, gegenseitig auszubooten. Dazu zeichnet er den schwierigen Weg der Naturwissenschaftler im 20. Jahrhundert nach. Zwischen dem Forscherdrang und dem Wunsch, die Welt zu verstehen, sowie dem politischen Druck, ihre Erkenntnisse für das Militär und inhumane Zwecke zur Verfügung zu stellen, waren für diese ethische Fragen zu einem zentralen Punkt ihrer Arbeit geworden. Durch die nicht chronologische Darstellung, wahrt Bronski die Spannung und löst nur nach und nach das Geflecht auf, dem der Leser sich zu Beginn etwas verwirrt gegenüber sieht. Dass eine solche Verstrickung nicht ohne Opfer auskommt, liegt auf der Hand. Bis zu letzt hebt er sich die Frage auf, welche der alten Supermächte siegen und in den Besitz der Weltformel geraten wird.

Mit viel Spannung, wenn auch wenig Nervenkitzel, fesselt Bronski den Leser und liefert zugleich Einblick in eine faszinierende Wissenschaft und schafft spannende Verbindungen zur Musik. Für das Genre sicherlich weitaus anspruchsvoller und tiefgründiger als die Masse, wenn auch der Wehrmutstropfen unpassender Titel bleibt.

*****/5

Sonntag, 6. Januar 2013

Sophie Hannah - Das fremde Haus

Sophie Hannahs aktuelles Buch, "Das fremde Haus", wird als Psychothriller angekündigt. Eine junge Frau, Connie, glaubt, Mitten in der Nacht beim surfen auf einer Immobilienseite eine tote Frau in einer Blutlache beim viruellen Rundgang in einem Haus entdeckt zu haben. Sie weckt ihren Lebensgefährten Kit, doch das Video des Hauses ist völlig normal - keine Leiche mehr zu sehen. Nichtdestotrotz informieren sie die Polizei, die auch nicht wirklich etwas mit diesem Hinweis anfangen kann. Connie glaubt schon verrückt zu werden und sich alles nur einzubilden - bis sich eine zweite Frau meldet, die die Tote ebenfalls gesehen hat. Der Fall stellt viele vor ein Rätsel: die Polizei ebenso wie Connies Therapeutin, ihren (vermeintlich) liebenden Ehenmann sowie ihre Familie.

Der Klappentext und die Grundzüge der Geschichte sind spannend, Sophie Hannah liefert auch eine Lösung - die ist jedoch ziemlich weit hergeholt, wenig überzeugend und nicht befriedigend. Bis es dazu kommt, quält sie den Leser nicht mit Spannung, sondern mit lamentierenden Ehepaaren auf Hochzeitsreise (deren Bedeutung für den Roman sich gar nicht erklärt, ebenso wenig wie die Schwester der Braut mit ihrer Affäre), mit einer nervigen, engstirnigen Familie Connies, die in ihrem kleinstädtischen Getue eine Zumutung ist, einer versetzten Therapeutin, die selbst psychologische Betreuung nötig hätte und einer Protagonistin, die leider so wenig sympathisch ist, dass man sich phasenweise wünscht, es würde einfach eine Erkrankung diagnostiziert und sie würde weggesperrt, damit das Ganze ein Ende hat.

Von einem Psychothriller erwarte ich Spannung und einen Reiz weiter zu lesen, ebenso wie eine Geschichte, die an den Nerven zerrt. Einiges davon wurde im Prolog angelegt - aber dann wurde das Genre gänzlich verfehlt und in weiten Teilen scheint es eher ein depressiver Frauenroman zu sein. Die Geschichte ist zu konstruiert, um glaubhaft zu sein, die Figuren sind nicht überzeugend und Spannung fehlt ebenso. Leider mehr Quälerei als Freude beim Lesen.

**/5

Mittwoch, 2. Januar 2013

Kristina Ohlsson - Aschenputtel

Ein regnerischer Sommer in Schweden. Sara ist mit ihrer Tochter auf dem Weg zurück nach Stockholm als der Zug außerplanmäßig halten muss. Sie verlässt kurz ihr schlafendes Kind und die Ereignisse nehmen ihren Lauf: die Mutter verpasst die Weiterfahrt, das Kind verschwindet spurlos und niemand hat etwas gesehen. Schon wenige Tage später steht fest: Lilian wurde ermordet. Der Täter scheint auf der Hand zu liegen: die Eltern befinden sich in der Trennung, Sara wurde von ihrem Ehemann seit Jahren misshandelt und wollte ihn samt Tochter verlassen. Als es zu einem zweiten Mord kommt, der deutliche Parallelen aufweist, muss das Ermittlungsteam die Fakten wieder neu mischen.

Die Ermittlungen werden von einem heterogenen Team durchgeführt, das nur schwer zusammenfindet. Der Leiter Alex, erfahrener Polizist, der sich mit Mitte 50 auf seiner Bauchgefühl verlässt, aber durchaus offen für Neues ist. Die studierte Sara, distanziert zu Menschen, eher analytisch als emotional die Dinge betrachtend und mit essentiellen Fragen in ihrem Privatleben konfrontiert. Peder, wild auf Karriere wobei seine Ehe gerade den Bach runter geht und das nicht nur auf zu viel Arbeit zurückzuführen ist. Zuletzt Ellen, die schon immer im Schatten stand und auch hier nicht die ganz große Rolle spielt.

Die Geschichte ist spannend auch wenn die Ermittler sehr lange für den entscheidenden Durchbruch brauchen, das entscheidende Motiv und verbindende Element lag schon weit früher auf der Hand und hat sich geradezu aufgedrängt. Die Figuren sind alle in ihrer Unterschiedlichkeit bemerkenswert und mit glaubwürdigen Charakterzügen ausgestattet, die sie nicht zwingend sympathisch aber auf jeden Fall interessant machen.

Ein gelungenes Debüt der Schwedin, dass Lust auf mehr von ihr macht.

*****/5

Sonntag, 23. Dezember 2012

Jenk Saborowski - Das Biest

Der zweite Fall für Special Agent Solveigh Lang der europäischen Eliteeinheit ECSB. Eine ungewöhnliche Kontaktaufnahme: Der israelische Geheimdienst warnt die Europäer vor einem mysteriösen Computervirus mit enormer Schlagkraft. Nicht nur die gesamte Wirtschaft der Europäischen Union steht auf dem Spiel, sondern auch die Gesundheit der Menschen: Anschläge auf Atomkraftwerke werden vorbereitet. Wer hinter diesem teuflischen plan steckt, ist unklar. Russische Oligarchen, alte Geheimdienstler der DDR und die westlichen Geheimdienste liefern sich einen nervenaufreibenden Wettlauf gegen die Zeit. Im Fokus dabei die taffe Agentin Solveigh, die mit Unterstützung ihres Teams im Hintergrund und ihren Freund, den französischen Journalisten, furchtlos dem Biest in die Augen blickt.

Der Thriller ist rasant in seiner Entwicklung. Parallel werden verschiedene Stränge aufgenommen, die gekonnt miteinander verwoben werden. Es ist weniger die Frage danach, wer im Hinterrund operiert, sondern ob die Spezialeinheit siegen wird. Die Zusammenhänge werden schon bald offenbar, doch die Spannung bleibt erhalten. Ein Wirtschaftskrimi mit politischen Aspekten, der genau soviel Action mitbringt, wie erforderlich, aber auf unnötiges Geballer und Morden verzichtet.

Insgesamt gute Unterhaltung. Minuspunkte gibt es für kleine Unstimmigkeiten. Eine Eliteienheit würde niemals einen Journalisten einbinden und schon gar nicht bei einer so gefährlichen Flucht, Noch dazu war die Anwesenheit Marcels in Russland völlig überflüssig. Solveigh kann halb in die Luft gesprengt werden, macht aber weiter, als wenn nicht gewesen wäre. Sie jettet in zig Ländern, braucht nie einen Dolmetscher, obwohl sie auch mit Personen spricht, die sicher nicht des Englischen auf hohem Niveau mächtig sind - überhaupt kann jede Figur in jedem Land problemlos kommunizieren. Dazu noch kleine Fehler wie das Vertauschen von Namen, da hat das Lektorat nicht sauber gearbeitet.

Trotzdem empfehlenswerter Thriller mit Höchstspannung.

****/5

Freitag, 7. Dezember 2012

Sina Beerwald - Hypnose


„Machen Sie es sich im Sessel bequem.“ So lautet der erste Satz des Prologs in Sina Beerwalds Thriller „Hyponose“. Was folgt ist der klassische Beginn einer Reise ins Unterbewusste. Der Leser kann sich darauf einlassen, entspannen und loslassen - bis die Aufforderung an den Patienten oder die Patientin erfolgt, eine gewisse Inka zu töten.

Im beschaulichen Stuttgart wollen die drei Freundinnen Inka, Annabel und Rebecca mal wieder einen gemütlichen Abend miteinander verbringen. Die letzten Monate haben die Freundschaft belastete und die drei jungen  Frauen haben sich voneinander entfernt. Rebecca war durch Krankheit sehr mit ihrer Familie beschäftigt, Annabel plant mit ihrem bald Ehemann nach Griechenland auszuwandern und Inka musste den Verlust ihres tot geborenen Babys verkraften. Die Welt scheint fast wieder in Ordnung bis ein grausamer Mord den Freundeskreis erschüttert: Annabel hat gestanden, in der Nacht nach der Feier ihren Zukünftigen erstochen zu haben. Nicht nur das verwirrt Inka, auch ihre zunehmenden Halluzinationen und die Erinnerungen, die durch die Hypnose-Therapie an die Oberfläche kommen, lassen sie immer mehr an ihrem Verstand zweifeln. Die Lage wird ernst, als sie direkt mit dem Leben bedroht wird. Aber bildet sie sich das auch nur ein? Für alles gab es bis dato eine rationale Erklärung.

Der Thriller bietet genau das, was man vom Genre erwartet: nervenzerreißende Hochspannung, Grusel und ein bisschen Angst. Als Leser wird man von Kapitel zu Kapitel verwirrter, man kann genau wie die Protagonistin kaum mehr unterscheiden, was sich ereignet, was eine Figur sich einbildet, die einzelnen Bausteinchen passen nicht zusammen und es ergibt sich kein klares Bild. Nur die unmittelbare Bedrohung ist spürbar – wenn sich auch nicht klar zeigt, woher sie kommt.

Über weite Strecken fesselt der Roman und man kann das Buch vor Anspannung und Neugier kaum weglegen. Die Aufklärung ist dann jedoch für mein Empfinden etwas zu viel des Guten. Es wird zwar alles in sich stimmig geklärt und es bleiben keine Fragen offen, aber die Handlung ist hier für mich über das Ziel hinaus geschossen und ein wenig zu sehr übertrieben als dass sie vorstellbar wäre. Der klassische Showdown am Ende war leider auch zu vorsehbar – gemessen an dem wirklich über weite Strecken klasse Roman, fast ein wenig enttäuschend.

Fazit: absolut empfehlenswert für Thriller Fans, die mehr auf Gänsehaut und Spannung als auf Blut stehen.

*****/5
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