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Samstag, 22. Oktober 2016

Meg Haston - Alles so leicht

Roman, Jugendbuch, Rezension

Stevie weiß nicht, wo sie sich befindet. In einem Auto, mit einer unbekannten Frau. Doch wo bringt diese sie hin? Und was ist geschehen? Egal, nur noch wenige Wochen, dann ist der große Tag und ihr Ziel ist erreicht. Doch so einfach wird es nicht werden zu verschwinden, schon gar nicht, wenn man sich tothungern möchte. Denn die Unbekannte liefert sie gerade in eine Fachklinik für essgestörte Mädchen ein. Die Regeln sind streng und die anderen alle doof. Stevie wird ihrer Psychologin zeigen, wie stark sie ist und dass bei ihr die Therapie nicht anschlagen wird, denn das ist sie ihrem Bruder schuldig, dem Bruder, der nicht mehr da ist. Wegen ihr. Genau wie ihre Mutter.

Meg Haston hat mit „Alles so leicht“ ein durchaus relevantes Thema aufgegriffen und ihm ein Gesicht gegeben. Essstörungen sind nach wie vor insbesondere bei jungen Mädchen ein wichtiges und auch erschreckendes Thema. Wie sie schön anhand Stevie und der anderen Mädchen aufzeigt, können die Ursachen vielfältig sein und doch zu derselben Krankheit führen. Insbesondere das verquere Weltbild ist eine große Hürde, um Heilung oder zumindest Besserung zu verlangen. Dies sieht man in dem Roman, wenn der Vergleich nie zu den Gesunden erfolgt, sondern immer nur zu den noch dünneren Mädchen, wenn die Diagnose Bulimie eine Katastrophe darstellt, denn noch die Anorektischen gelten als willensstark und diszipliniert, was man gerne sein möchte. Der Kampf um jede Kalorie, der Kampf mit sich, seinem Körper und den Menschen, die einem eigentlich helfen wollen – all das gelingt der Autorin glaubwürdig darzustellen.

Die größte Stärke des Romans ist für mich die Figurenzeichnung. Nach und nach wird die Vergangenheit Stevies aufgerollt und unterschiedliche Aspekte als Auslöser und Verstärker der Anorexie/Bulimie hervorgebracht. Die Arbeit der Psychologen kann ich schwer einschätzen, möglicherweise sind die Arbeitsweisen in diesen Fachkliniken auch anders als außerhalb, bisweilen erschien mir der Kontakt zu nach, zu persönlich und zu wenig professionell. Auch die Tatsache, dass nur wenige Tage im Prinzip ausreichen, um zu einem Therapieerfolg zu führen, bei einer Jugendlichen, die seit über einem Jahr darunter leidet, erscheint mir nicht ganz überzeugend und realistisch.


Alles in allem jedoch ein lesenswertes Jugendbuch, das die Thematik Essstörungen gut umsetzt und zum Nachdenken anregen kann.

Dienstag, 11. Oktober 2016

Jennifer Niven - Holding up the Universe

               
Roman, novel, review, Rezension
                          

Libby hat ihren großen Tag vor sich: zum ersten Mal seit Jahren wird sie wieder zur Schule gehen. Nach dem Tod ihrer Mutter hat sie sich zurückgezogen und nicht nur den Kummer in sich hineingefressen. So lange, bis sie sich nicht mehr bewegen konnte. Doch nach einem Klinikaufenthalt ist vieles anders, sie ist nicht mehr America's fattest Teenager, aber immer noch kräftig. Wie werden die Mitschüler auf sie reagieren? Auch Jack zittert vor dem ersten Tag, aber sein Problem verfolgt ihn sogar zu Hause: seit einem Sturz kann er keine Gesichter mehr erkennen und selbst seine Eltern und Brüder sind ihm täglich aufs Neue fremd. Der Zufall führt Libby und Jack zusammen, doch die erste Begegnung ist alles andere als glücklich und lässt nicht erahnen, dass beide langsam lernen und schätzen werden, was sie aneinander haben.

Jennifer Nivens Roman ist eine recht typische Young Adult Geschichte, im Wechsel aus den Perspektiven von Libby und Jack erzählt. Jacks Erkrankung an Prosopagnosie ist dabei recht ungewöhnlich, ansonsten folgt der Roman bekannten Schemata der jugendlichen Liebesromane: sich treffen, gut finden, Zuneigung nicht zugeben können, trennen, doch zueinander finden. Dazu noch das Mantra, dass Aussehen und Gewicht keine Rolle spielen, sondern nur die inneren Werte zählen. Ich hätte mir ein paar mehr Ideen jenseits ausgetretender Wege gewünscht. Man merkt, dass der Roman für den amerikanischen Massenmarkt geschrieben wurde und die political correctness durch und durch erfüllt. Positiv lässt sich bemerken, dass sich der Roman recht flott liest, die Dialoge haben durchaus auch Unterhaltungswert. Daher eine sehr leichte Unterhaltung, die dem passenden Publikum sicher gut gefallen wird.

Montag, 3. Oktober 2016

Sarah Combs - The Light Fantastic

novel, review

Delaware, April 19th. It’s her birthday, April’s birthday. April Hope Donovan, that special girl with a special memory. She suffers from hyperthymesia, a condition of not being able to forget. And this is how she links especially negative events with her life. She was born on the day of the Oklahoma City bombing, four years later, the Columbine High School massacre, four days before her 18th birthday, the Boston marathon is bombed. Her whole life seems to turn around those hideous events. She can remember all the details of her life, but what she does not know yet is that the next catastrophe is already knocking on the door. All over the country, desperate teenagers have secretly gathered around the so called Mastermind to seek revenge. And one of them is close to April.


The story actually does not only revolve around April, but she is the most interesting of all characters and especially at the beginning of the novel, when she explains her brain disposition, it is great fun to follow her thoughts. Adding the other characters spread across the USA first lead to a bit of confusion, it takes some time until you realize how they are connected and what they have in mind actually. All individual stories do have some interesting and even gripping aspects, but since they rotate at a high space you do not really get into them. This makes the whole novel stay on the surface, even though the content and message would have deserved to be looked at more closely. This is the reason why I am a bit disappointed. I liked the tone of the novel, especially April’s narrative, but the author could have made more of the idea.

Samstag, 20. Oktober 2012

Rafik Schami - Eine Hand voller Sterne

Damaskus zu Zeiten politischer Unruhen und Umwälzungen. Ein Bäckersjunge beginnt in seinem 14. Lebensjahr damit, Tagebuch zu führen und aus seinem Alltag in Syrien zu berichten. Sein großer Traum ist es, eines Tages als Journalist zu arbeiten. Ein älterer Mann, der im selben Haus wohnt und den er Onkel Salim nennt, ist einer seiner Begleiter und weiser Ratgeber auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Sein Vater, zunächst wenig von dieser Idee angetan, nimmt ihn auch schon bald von der Schule, da er Hilfe in der Bäckerei braucht. Doch der Junge verfolgt sein Ziel weiterhin, kann eine Anstellung in einer Buchhandlung erhaschen und die ersten seiner Gedichte werden veröffentlicht. Durch die Bekanntschaft mit dem Journalisten Habib kommt er seinem großen Traum immer näher und muss doch auch lernen, dass er sich in der gegenwärtigen politischen Lage eine heikle Aufgabe gesucht hat.

Obwohl als Kinderbuch erschienen ist der fiktive Tagebuchbericht auch für Erwachsene interessant. Rafik Schami stellt sein Heimatland und seine Heimatstadt Damaskus, die er schon früh verlassen musste vor und entwirft ein bisweilen erschreckendes Bild des politischen Terrors. Die kindlichen Augen verstehen nicht alles, berichten aber trotzdem auf interessante Weise und erlauben Einblicke in den Alltag der Syrer - ein seit langen Zeiten gebeuteltes Volk.


*****/5

Freitag, 19. Oktober 2012

Mirjam Pressler - Ein Buch für Hanna

Mirjam Pressler zeichnet den Lebensweg von Hanna nach. Angelehnt an wahre Begebenheiten wird die Geschichte eines jungen, jüdischen Leipziger Mädchens erzählt, die sich mit ihren Freundinnen noch kurz vor den exzessiven Gewaltausbrüchen der Nazis nach Dänemark retten kann. Lebt sie zunächst in einer Art Sommercamp, wo sie trotz der Trennung von der Mutter fast ausgelassen den Sommer genießen kann, wird sie im Anschluss bei einer wohlhabenden Kopenhagener Familie untergebracht, die sie fast wie eine ihrer Töchter behandeln. Die Lage spitzt sich auch in Dänemark immer weiter zu, so dass die Freundinnen schon bald die Stadt verlassen müssen und aufs Land zu Familien ziehen. Da Leben dort ist hart und anstrengend, doch auch hier gelingt es Hanna und ihrer besten Freundin Mira das Beste daraus zu machen. Mit dem Angriff auf das Nachbarland hat das Naziregime auch dort die Situation für die jüdische Bevölkerung unmöglich gemacht und unausweichlich fallen die Mädchen den Soldaten schließlich in die Hände und werden nach Theresienstadt gebracht. Für manche die letzte Station ihres jungen, permanent von Flucht und Angst geprägten Lebens.

Die Lebensgeschichte Hannas, sicherlich beispielhaft für viele der damaligen Zeit, geht dem Leser sehr nah. Die Beschreibungen in Theresienstadt sind unglaublich und erschreckend. Schön zu wissen, dass es trotz allem aber auch positive Momente und Erfahrungen gab, die jedoch vielfach in den Personen selbst begründet liegen. Ein nachdenklich Stimmendes Zeugnis der dunkelsten Epoche der deutschen Geschichte.

*****/5

Samstag, 13. Oktober 2012

Bianka Minte-König - Milas Ferientagebuch: Paris

Freundin Hanna wird von den Eltern ihres Freundes Gerard nach Paris eingeladen. Ihre eigenen Eltern sind davon jedoch nicht sehr erbaut, also schlägt
Mila vor, sie als Anstands-Wauwau zu begleiten und schon sind die beiden Teenager im Flieger um zwei Wochen lang die Stadt der Liebe zu erobern. In ihrem Tagebuch hält Mila fest, was sie besichtigen, was sie über Land und Leute erfährt und natürlich muss es in Paris auch ein wenig knistern - dabei hat Mila doch ihren Freund Markus in Deutschland! 14 ereignisreiche Tage für die beiden Mädchen mit den beiden unterhaltsamen Franzosen Gerard und seinem Bruder Philippe.

Ein Jugendbuch, das sicherlich bei den jungen Mädchen gut ankommt. Es hat von allem etwas: ein bisschen Liebe, ein bisschen fremde Stadt und viel aufregendes Neues. Der Tagebuchstil erlaubt es die Sprache etwas salopp zu gebrauchen und so der Zielgruppe recht nah zu kommen. Da stört es insgesamt auch nicht wirklich, dass die Handlung (insb. die besuchten Nachtclubs) vielleicht etwas überzogen ist - Mädchen wollen ja träumen.

Zwei kleine Punktabzüge gibt es aber von mir doch: die Fehler im Französischen haben mich gestört und manchmal kommt das Buch etwas oberlehrerhaft daher, fast als wenn man mit der Schule zum Zwangsausflug unterwegs wäre und der Pauker einem Kultur einflößt.

Alles in allem: unterhaltsame Jugendlektüre.
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