Dienstag, 8. November 2016
Sonntag, 6. November 2016
Mleanie Raabe - Die Wahrheit

- Melanie Raabe - Die Wahrheit
Sieben Jahre lang musste Sarah Petersen mit der Ungewissheit leben, was mit ihrem Mann geschehen ist. Sieben Jahre zwischen der Sorge, dass er tot sein könnte, und der Hoffnung, dass er wieder zurückkehrt zu ihr und ihrem gemeinsamen Sohn Leo, der keine Erinnerung an den Vater hat. Dann kommt der Anruf vom Auswärtigen Amt: man konnte ihren Mann in Kolumbien befreien und er ist auf dem Weg nach Deutschland. Voller Spannung fiebert Sarah dem Moment am Flughafen entgegen. Wie wird das Wiedersehen sein? Wie hat sich Philipp verändert? Doch dann der Schock: ein Fremder steht vor ihr und gibt sich als ihr Mann aus. Nimmt den Sohn auf den Arm, um den Journalisten zuzuwinken, die auf sensationelle Fotos bei die diesem spektakulären Fall hoffen; geht mit ihr nach Hause. Dort beginnt das perfide Spiel. Sarah droht die Behörden über den Betrug zu informieren, doch der Mann warnt sie: er wird auch sie auffliegen lassen, denn er kennt ihr dunkel Geheimnis. Was führt er im Schilde? Wer ist er? Und warum glauben selbst ihre Freunde dem charismatischen Fremden mehr als ihr? Seine Taktik ist offensichtlich: sobald Sarah von allen als verrückt wahrgenommen wird, kann er sie einweisen lassen und ganz über das Vermögen der Familie Petersen verfügen.
Ein spannender Thriller, der einem an unzähligen Stellen das Herz aussetzen lässt. Zunächst Sarah zwiegespaltene Stimmung ob der guten Nachrichten: nach so vielen Jahren wieder gemeinsam leben? War nicht eigentlich die Ehe zwischen ihr und Philipp am Ende, als er damals verschwand? Hatte sie nicht sogar damit gerechnet, dass er alles geplant hatte? Sehr nah und glaubwürdig folgt man ihren Sorgen. Dann der Schock über diesen Fremden und ihre blanke Angst allein mit ihm im Haus zu sein. Bedrohung folgt auf Bedrohung, was wird er tun? Man kann Sarahs Furcht regelrecht greifen und wird als Leser in dasselbe Gefühl geschickt. Gänsehaut ist angesagt als er klar ist, dass der Kampf nicht physisch, sondern psychisch ausgetragen wird. Die schlimmsten Momente sind jedoch die, wenn Sarah Hilfe sucht und diese verwehrt wird. Ihre Hilflosigkeit und Verzweiflung sind dermaßen greifbar, dass man sie selbst als Leser spüren kann.
Zunehmend kann man auch die Perspektive des Antagonisten nachvollziehen, mehr und mehr Informationen erhält man von ihm, ohne jedoch seine Motive durchschauen zu können. Ab einem gewissen Punkt wendet sich langsam das Blatt und man fragt sich, ob nicht auch Sarah eine andere Rolle hat als nur die des Opfers. Man bekommt Zweifel und im Raum steht immer noch die Frage, womit sie erpressbar ist. Was hat sie getan? Ist sie womöglich selbst eine Mörderin?
Was kann sich mehr von einem Thriller wünschen als starke Charaktere und nervenzerreißende Spannung? Melanie Raabe gelingt genau das. Dass sich die klare Verteilung in Gut und Böse plötzlich auflöst und man beginnt zu zweifeln und die Dinge neu zu bewerten: schlichtweg hervorragend von der Autorin konstruiert. Der Roman reißt einem mit sich und aufzuhören zu lesen, ist schlichtweg unmöglich. Gespannt war ich besonders auf die Auflösung. Wie kommt man aus dieser Situation heraus, die irgendwann für den Leser emotional auch schwer zu beurteilen ist? Und die Antwort: nicht so gelungen. Nein, mich konnte ihr Ausweg nicht überzeugen. Zum einen kam er zu unvermittelt und unvorbereitet. Das soll’s gewesen sein? Zum anderen ist es für mich nicht ganz glaubwürdig, dass dies psychologisch möglich sein soll, was sich abgespielt hat. Zwar kann alles erklärt werden und offene Fragen bleiben letztlich nicht, aber enttäuscht war ich schon. Hochspannung über mehr so eine lange Strecke und dann ein doch recht banales Ende. Schade, der Roman hätte eine angemessene Auflösung verdient.
Ein herzlicher Dank geht an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zum Titel finden sich auf der Seite der Verlagsgruppe Random House.
Montag, 31. Oktober 2016
Rabih Alammedine - Eine überflüssige Frau
Ein einziger Tag, ein ganzes Leben. Mit einem Unglück startet Aaliya in diesen Morgen: ihre Haare sind blau, viel blauer als sie sein sollten. Aber warum sich aufregen, mit 72 Jahren spielt das auch keine Rolle mehr. Noch dazu lebt sie allein in ihrer kleinen Beiruter Wohnung; zu den anderen Bewohnern des Hauses hatte sie nie viel Kontakt, man kennt sich, weiß das Nötigste und fertig. Lieber hat sich Aaliya mit Büchern umgeben, in der Buchhandlung, in der sie viele Jahrzehnte gearbeitet hat, oder zu Hause, wo sie in den letzten 50 Jahren jährlich ein Werk der Weltliteratur übersetzt hat. Das neue Jahr steht an, eine Entscheidung für ein neues Buch muss getroffen werden. Wie viel Zeit bleibt ihr noch, kann sie sich an einen dicken Wälzer wagen? Immer wieder wird diese Überlegung unterbrochen, durch ein Klopfen an ihrer Tür, durch eine Erinnerung an die Vergangenheit, an die Geschichte ihrer geliebten Heimat und an Hannah, ihre einzige Freundin. Die blauen Haare waren nur der Anfang, das Schicksal hat noch mehr große Erschütterungen für Aaliya an diesem Tag vorgesehen.
Rabih Alameddine entführt seine Leser einmal mehr in den von ihm so sehr geliebten Nahen Osten, in den Libanon, seine Heimat. Das Schicksal dieser Stadt, das ihn offenbar schwer getroffen und beeindruckt hat, findet sich auch in diesem Roman wieder. Aaliyas Leben ist eng verbunden mit den Geschehnissen der Metropole zwischen Mittelmeer und Gebirge, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von zahlreichen Kriegen gezeichnet, immer wieder zerstört und wieder aufgebaut wurde und es schafft, unterschiedlichste Konfessionen und Lebensweisen zu beheimaten.
Das Leben Aaliyas verläuft nicht nach Plan, jung verheiratet wird sie doch nie zur echten Ehefrau und Mutter, als Geschiedene lehnt sie eine weitere Hochzeit ab und bleibt so allein, wenn auch nicht einsam, denn die Literatur begleitet sie. Für jede Lebenslage findet sie Trost bei einem Dichter, alles lässt sich erklären, denn es wurde bereits niedergeschrieben; auch die Philosophen und Maler, ebenso die klassischen Musiker haben es ihr angetan und ihr ferne Länder eröffnet. Aaliya macht einen zufriedenen Eindruck und scheint mit sich und der Welt im Reinen zu sein, nach all den Jahren, in denen sie auf sich allein gestellt war und auch schon einmal mit der Kalaschnikow im Bett schlafen musste. Und dennoch tut sich ein Riss auf. Dies wird an einer Stelle besonders offenkundig:
Henri Matisse hat einst gesagt: „Es hat mich mein ganzes Leben lang beschäftigt, dass ich nicht male wie jeder andere.“ Ich liebe dieses Zitat, liebe die Tatsache, dass der strahlendste Maler des 20. Jahrhunderts so gedacht hat.
Nein, sie ist keine typische Frau ihrer Zeit. Sie ist eigensinnig und durchsetzungsstark, beweist Rückgrat und Bildung. Als Autodidaktin wurde sie zur Übersetzerin, eine Arbeit für ein nicht vorhandenes Publikum. Aber sie sagt selbst, dass nicht das Ergebnis zählt, sondern der Weg dahin. Vielleicht ist das das Geheimnis ihres Lebens: nicht was sie am Ende erreicht hat, sondern die Zufriedenheit und Freude auf dem Weg dahin ist das, was wirklich zählt.
Rabih Alameddine zeichnet eine Figur, die nicht auffällt und doch heraussticht. Eine starke Frauengestalt, die sich in einer patriarchalischen Gesellschaft ihren Weg bahnt und eigene Maßstäbe zu setzen weiß. Dabei wirkt sich ein wenig schrullig, aber immer liebenswert. Und wer große Literatur liebt, muss unweigerlich auch Aaliya lieben.
Sonntag, 30. Oktober 2016
Jeanette Winterson - The Gap of Time
Leo Kaiser is
rich, he has everything he can wish for: money, a beautiful wife, MiMi, a
beloved son, a successful business. Nevertheless, there is a certain guilt that
he has been carrying around all his life: he was responsible for his best
friend Xeno’s accident when they were kids. Is this the reason why Xeno has an
affair with his wife and is the father of MiMi’s unborn child? MiMi and Xeno as
well as his business partner Paulina try to make him see reality again, but Leo
is stubborn and blinded by his anger. His rage finally leads to the
catastrophe: his best friend gone, his son dead, his wife divorced and his
daughter missing. Apart from his money, Leo has lost everything. On the other
side of the world, Perdita grows up with a loving father and a caring older
brother. She lives eighteen years not knowing what had happened to her real,
biological family. When she meets the love of her life, suddenly, all the
pieces match and add up to a completely new picture of her life.
The Gap of Time is part of the Hogarth Shakespeare series and
Jeanette Winterson has created a cover form of the bard’s comedy The Winter’s Tale. The author stuck
quite close to the original: we have King Leontes - now Leo, king of a business
imperium called Sicily; Hermione, his beautiful wife has become lovely singer
MiMi; Polixenes, Leo’s childhood friend and later enemy shows up as Xeno; his
son Florizel is now represented as Zel; the noblewoman Paulina who secretly
holds the reins in both stories; and Shep(herd) and his son Clo(wn) who raise
Perdita, the lost daughter. The plot itself has been placed into the computer
game world of London and a bit refreshed to give the impression of a modern
story. Albeit the story is known and the happy-end could be expected, I enjoyed
the novel because Jeanette Winterson has a virtuous way of using language
creating humorous and sharp puns and she does not refrain from openly alluding
to Shakespeare himself. The comedy is downright entertaining from the first to
the very last page and she absolutely managed to create characters who can
surprise us, even though we are quite familiar with them, and seem to be
authentic and imaginable as real persons.
Again, we
can see also in this novel that Shakespeare’s plays can easily stand the test
of time. Quite obviously, we have not developed any further during the last 400
years and are still governed by basic emotions such as love, pride, anger, desire,
sadness and fear. Those universal sensations can easily be transferred to other
places and times and do not lose any of their impact on human behaviour. One
really has to congratulate the people behind Hogarth Shakespeare for picking
gifted authors who make something new by respecting all that Shakespeare stands
for. I am really looking forward to Jo Nesbo retelling Hamlet and Tracy Chevalier on Othello
which both are to published in 2017.
which both are to be
Matthew Costello/Neil Richards - Final Cut
Big Hollywood in small Cherringham: a film team
has set up its camp to shoot a historical drama in the lovely British village.
The lead is taken over by Zoë, a rising
star and beautiful young woman. When a series of suspicious accidents happen,
the crew gets nervous, not only because they are already far behind schedule
but also because the actors are concerned: is it really just bad luck or is
somebody trying to sabotage the shooting? When Zoë’s life
becomes actually endangered, Sarah and Jack are asked to have a look not only
on her, but also on the set. But the traitor has already set up his final plan…
Episode 17 in the cosy crime series comes with a completely new
environment: the film set located outside the village which this time does not
play a role at all. Also the protagonists Sarah and Jack have to step back
behind the rising stars. Thus, the overall story about those two does not
continue which is a bit a pity, since it is often more interesting to see than the actual plot. This time, the solution comes not completely out of
nowhere but it cannot be foreseen and at least for me, the motivation behind is
not totally convincing. Therefore, one of the weaker episodes of the series.
Samstag, 29. Oktober 2016
Margaret Atwood - Hag-Seed
After many years as Artistic Director of the
Makeshiweg Theatre Festival, Felix is finally about to have one of Shakespeare’s
most famous and magical plays performed: The
Tempest. This will be a show like no other before – but fate has another
plan for him; or rather Tony, his assistant, who has to deliver the information
of Felix being fired by the board, a treachery well played by the second in
row. Felix withdraws to some far away place where he not only mourns the loss
of his job, but also the loss of his beloved daughter Miranda to whom he still
talks as if she were alive. One day, the chance of getting back to work arises:
The Fletcher Correctional Centre has set up some correction scheme involving
theatre and Felix is to become the new teacher. He makes the prisoners
experience Shakespeare in a completely new way and the outcome is stunning. In his
fourth year, he selects The Tempest
to see it finally on stage – and with the magical play comes his chance of
revenge.
Hag-Seed is a novel of the Hogarth series in
which authors re-write Shakespeare’s plays and transfer them to our days. Margaret
Atwood has chosen quite a clever way of doing so, she integrates Shakespeare’s
play into her novel, but that is - of course - not all this wonderful author
manages to do: we have the play in the play, and we have characters who
themselves incorporate the roles of the play in their fictional lives. Felix is
undoubtedly Prospero using all his power to steer the people around him and to
manipulate reality. His daughter Miranda, albeit dead, parallels Shakespeare’s
Miranda in a very clever way. Sal and Tony, Felix’ enemies in the theatre
world, can easily be identified as Antonio and Alonso. And the prisoners act as
spirits and goddesses performing for Prospero-Felix. Apart from the characters,
there are so many parallels between the drama and the novel, it would go far
beyond the scope of this review to name them all.
Finding the parallels and detecting how
Margaret Atwood transformed the drama into a modern novel, is great fun, but
even more so is reading the dialogues. It is rare to have so much pleasure and
entertainment when reading a rather serious plot; Felix’ interaction with the guards
is hilarious, his work with the prisoner-students and their questions against
the background of their criminal records and experiences in a world far away
from elitist theatres, are fascinating. I wonder if the approach Felix’ chooses
might not actually be the perfect way to bring Shakespeare’s ghost closer to
today’s youth and thus become a model for teachers.
We know how much is hidden in Shakespeare’s
plays and I have the impression that there is so much more in Atwood’s novel which
I did not see at the first reading. This is definitely a novel worth giving a
second read to dig deeper into what she has created. Coming back to the idea of
the Hogarth series, I liked Anne Tyler’s version of The Taming of the Shrew a lot, but Hag-Seed is simply a masterpiece.
Camilla Grebe - The Ice Beneath Her
A shocking
crime scene: a woman has been found beheaded in the apartment of Jesper Orre, Sweden’s
most popular and scandal-ridden CEO of a clothing company. The prime suspect
has disappeared and what astonishes the police, too, is a weapon found on the
site, a weapon which has been used before in a similar case. Four weeks before,
Emma Bohman, a saleswoman of one of the clothing company’s shops, is in seventh
heaven. Jesper has finally proposed to her. For months they have been dating,
secretly since the journalists are always after Jesper, but now, her dream
seems to come true. But one evening, Jesper does not show up for dinner, and he
does not answer the phone, and strange things start to happen in her apartment.
As Emma’s life slowly gets out of control, the police investigate the murder:
has Emma become the victim of a serial killer? A man the whole country only
knows too well?
Camilla
Grebe’s latest thriller can grip the reader from the first page. The
description of the crime scene is just horrible, it is obvious that the
offender must have been full of hatred and rage, but also creative in a way
since the arrangement of the corpse is quite remarkable. Most of the tension,
however, arises from the structure of the novel. On the one hand, we follow the
investigation in the present, on the other, we get Emma’s last weeks and her
narration of how she met Jesper and how their relationship developed. It is
obvious from the start that the famous businessman has something in mind and
that there are aspects in his behaviour which make you shudder.
You quickly
get an idea of what could have happened and who victim and suspect are – but then,
Camilla Grebe walks in and has a completely different story to tell. When you
reach this point of the novel, you sit there staring at the pages in disbelieve
since all your ideas just vanish into thin air and most explanations you have
made up before are simply wrong. I really enjoy novels which can surprise me,
which play with me as a reader, put me on a completely wrong track and then
offer another story which is absolute believable and in tune with the
characters and their actions. Thus, “The Ice Beneath Her” a perfect read for
fans of Scandinavian crime fiction who like strong characters and psychological
thrillers.
Montag, 24. Oktober 2016
Ottessa Moshfegh - Eileen
Eileen
looks back at the life she once had, the life in X-Ville, where she grew up
with her father, a former policeman and alcohol addict, her older sister who
was everything she was not and her mother who died much too early. Due to the mother’s
illness, Eileen had to give up college and return home to care for her, she found
a job in a juvenile detention centre which she hated. There is no such thing as
a private life for Eileen, stalking one of the prison guards, some shoplifting
from time to time, drinking a bit too much with her father. This is definitely
not the life Eileen had imagined, but how can she flee from it? She spends her
days daydreaming of different possibilities of escape. When Rebecca Saint John
arrives at the prison, Eileen is intrigued by the women’s demeanour. She
immediately admires her and even kind of falls in love with her – not foreboding
what is behind the nice looks and outer appearance of this woman.
Ottessa
Moshfegh’s novel combines psychological aspects with a crime story in a very
unexpected way. For the largest part, we follow Eileen and her rather pitiful
life. How the parents treat her, especially her father who seems to take her
rather as a servant and not as his daughter, her sister with whom she does not relate
at all. And her concept of herself: she perceives herself as invisible, ugly
even, nobody could ever be interested in her, nobody seems to take notice of
her presence. Her thoughts about escape, escape from the village, escape from
life, her fantasies about killing her father who is responsible for her deplorable
situation arise from her borderline state of mind. Thus, it is not surprising
how she reacts when she finds herself suddenly in a critical and threatening
situation with a gun in her hand.
From a
psychological point of view, the nomination for the 2016 Man Booker Prize
shortlist can easily be understood. The novel offers deep insight in the
character’s mind and opens a completely new world to the reader. The atmosphere
created, the lonely far away village, deep in snow, also wonderfully blends
with the inner state of the protagonist. Nevertheless, I would have preferred
some more action a bit earlier. The sudden crime situation came a bit too late
to my taste.
Sonntag, 23. Oktober 2016
Nele Neuhaus - Im Wald
Im Wald beim beschaulichen Taunusdorf
Ruppertshain kommt es Mitten in der Nacht zu einer Explosion und einem
Großbrand. Offenbar kam dabei ein Mann ums Leben, der in einem Campingwagen
eingeschlossen war. Die einzige Zeugin ist leider nicht sehr brauchbar, voller Restalkohol
ist sie sich nicht sicher, ob sie noch jemanden am Tatort gesehen hat. Ein
zweiter Mord, die Mutter des ersten Opfers, erschüttert tags drauf das Dorf
erneut – wer kann Interesse daran gehabt haben, eine sterbenskranke Frau, der
nur noch wenige Tage blieben, vorzeitig ins Jenseits zu befördern? Die Angst
geht um in Ruppertshain, denn schnell zeigt sich, dass viel mehr dahintersteckt
und weite Teile der Bevölkerung sich nicht ohne Grund zurückziehen. Pia Sander
und Oliver von Bodenstein machen sich an die Arbeit, aber Bodenstein merkt
schnell, dass er viel tiefer in die Taten verwickelt ist, als er zunächst
glauben konnte und dass die Menschen, die er seit seiner Kindheit kennt,
möglicherweise nicht die sind, für die er sie gehalten hat.
Band acht der Serie um das
Ermittlerduo im Taunus. Ich hatte bereits mehrere der Vorgänger gelesen und war
somit mit den Protagonisten und ihren Vorgeschichten vertraut, was den Einstieg
eigentlich erleichtern sollte. Hier jedoch war ich recht schnell verloren. Auch
wenn dem Buch ein Personenregister vorangestellt wurde, habe ich einige Zeit
gebraucht, halbwegs das sehr zahlreiche Personal auseinanderzuhalten. Zudem war
mir oftmals nicht klar, wer ist in Olivers Alter, wer nur wenige Jahre älter,
aber noch dieselbe Generation, wer gehört zu der Elterngeneration, bisweilen
haben diese sich scheinbar auch überschnitten. Ob die Verwirrung durch die
Masse an Figuren beabsichtigt war oder durch das Durcheinander
unterschiedlichster Fälle entstanden ist, lässt sich für mich auch nach Ende
des Buchs kaum sagen. Über weite Strecken fand ich es jedoch eher frustrierend
als hilfreich.
Der Fall ist – vom Ende her
betrachtet – nicht ganz überzeugend für mich. Ich kann zwar nachvollziehen,
dass ein Dorf gewisse Geheimnisse unter den Teppich kehrt, aber dass ein
einiger Mensch alle im Griff haben soll und mit ihren Taten erpressen konnte,
ist mir jetzt doch ein wenig zu weit hergeholt. Auch dass traumatisierte Kinder
einfach den Mund halten und keiner je etwas erzählt, sondern alle ganz unauffällig
und normal ihr Leben leben – das erscheint mir unglaubwürdig.
Zwar werden am Ende die Fäden
gelöst und alles ist aufgeklärt, aber richtig zufrieden war ich mit dem Krimi
nicht. Ich empfand ihn zudem gerade am Anfang als sehr schleppend, zig
Nebenhandlungen haben immer wieder zu Verzögerung geführt, was jedoch in diesem
Fall nicht zu mehr Spannung, sondern zu Ablenkung und Langeweile geführt hat. Das
Highlight waren somit fast nur noch die örtlichen Beschreibungen, da ich mich
in der Gegend auskenne. Das ist zu wenig für einen Krimi.
Samstag, 22. Oktober 2016
Matthew Costello - Cherringham 15: The Last Puzzle
Quentin
Andrews is dead. As a surprise to many not only in Cherringham, he was quite
wealthy and has left a large fortune. Sarah’s father is astonished, obviously
he hardly knew anything about his chess mate who pretended to work as an
inventor of crossword puzzles. When the deceased’s will is read, the very last
puzzle is opened: whoever of the four potential heirs – his brother, his
ex-lover, his carer and an old friend – can solve it, will get all the money.
Since Quentin Andrews was already 89 years old and suffered from heart
weakness, the attack does not raise suspicion first, but when Sarah and Jack
dig a bit deeper into Quentin’s life and the four heirs, the death becomes more
and more suspicious.
The 15th
episode of the cosy crime series can come up with a good story and a
surprisingly exciting plot. I have read the previous episodes but after some
time, they became more and more repetitive and could not really entertain me
anymore. Yet, I had some waiting time today and picked another one which could fulfil
what I expect from such a quick cosy crime novel: some twists and turns in the
plot, yet a straightforward solution which does not leave any questions unanswered
and some typical English-village-ingredients. All in all, I could cover the
waiting time in quite a pleasurable way.
Meg Haston - Alles so leicht
Stevie weiß nicht, wo sie sich befindet. In einem Auto, mit
einer unbekannten Frau. Doch wo bringt diese sie hin? Und was ist geschehen?
Egal, nur noch wenige Wochen, dann ist der große Tag und ihr Ziel ist erreicht.
Doch so einfach wird es nicht werden zu verschwinden, schon gar nicht, wenn man
sich tothungern möchte. Denn die Unbekannte liefert sie gerade in eine
Fachklinik für essgestörte Mädchen ein. Die Regeln sind streng und die anderen alle
doof. Stevie wird ihrer Psychologin zeigen, wie stark sie ist und dass bei ihr
die Therapie nicht anschlagen wird, denn das ist sie ihrem Bruder schuldig, dem
Bruder, der nicht mehr da ist. Wegen ihr. Genau wie ihre Mutter.
Meg Haston hat mit „Alles so leicht“ ein durchaus relevantes
Thema aufgegriffen und ihm ein Gesicht gegeben. Essstörungen sind nach wie vor
insbesondere bei jungen Mädchen ein wichtiges und auch erschreckendes Thema.
Wie sie schön anhand Stevie und der anderen Mädchen aufzeigt, können die
Ursachen vielfältig sein und doch zu derselben Krankheit führen. Insbesondere
das verquere Weltbild ist eine große Hürde, um Heilung oder zumindest Besserung
zu verlangen. Dies sieht man in dem Roman, wenn der Vergleich nie zu den
Gesunden erfolgt, sondern immer nur zu den noch dünneren Mädchen, wenn die
Diagnose Bulimie eine Katastrophe darstellt, denn noch die Anorektischen gelten
als willensstark und diszipliniert, was man gerne sein möchte. Der Kampf um
jede Kalorie, der Kampf mit sich, seinem Körper und den Menschen, die einem
eigentlich helfen wollen – all das gelingt der Autorin glaubwürdig
darzustellen.
Die größte Stärke des Romans ist für mich die Figurenzeichnung.
Nach und nach wird die Vergangenheit Stevies aufgerollt und unterschiedliche
Aspekte als Auslöser und Verstärker der Anorexie/Bulimie hervorgebracht. Die
Arbeit der Psychologen kann ich schwer einschätzen, möglicherweise sind die
Arbeitsweisen in diesen Fachkliniken auch anders als außerhalb, bisweilen
erschien mir der Kontakt zu nach, zu persönlich und zu wenig professionell.
Auch die Tatsache, dass nur wenige Tage im Prinzip ausreichen, um zu einem
Therapieerfolg zu führen, bei einer Jugendlichen, die seit über einem Jahr darunter
leidet, erscheint mir nicht ganz überzeugend und realistisch.
Alles in allem jedoch ein lesenswertes Jugendbuch, das die
Thematik Essstörungen gut umsetzt und zum Nachdenken anregen kann.
Freitag, 21. Oktober 2016
Wystke Versteeg - Boy
Boy ist tot, ihr Sohn, für den sie so lange gekämpft haben.
Nachdem es mit der Schwangerschaft nicht geklappt hat, haben sie eine Adoption
gewagt. In einer Villa wird er groß, bekommt alles, was er sich wünscht, aber
er kommt nie wirklich in Deutschland an. Und dann ist er verschwunden – tot.
Für die Eltern bricht eine Welt zusammen, doch die Mutter kann die einfache
Erklärung Suizid nicht glauben. Sie begibt sich auf Spurensuche und lernt einen
ganz anderen Jungen kennen als den, den sie für ihren Sohn hielt.
Das Buch ist kein Krimi, auch wenn sie spannende Frage im
Raum steht, was vor dem Unglückstag passiert ist, wenn erst nach und nach das
andere Leben Boys offenbart wird. Es ist vor allen Dingen das Dokument einer
Frau, die große Schwierigkeiten hat, mit Gefühlen umzugehen, diese erst einmal
zuzulassen, Nähe zu leben und Vertrauen zu anderen Menschen zu haben – und das,
wo sie als Psychiaterin arbeitet. Interessant fand ich insbesondere die
Diskrepanz zwischen den geschilderten fehlenden Emotionen, sowohl gegenüber dem
Ehemann wie auch dem Kind, die Schwierigkeit eine klassisch-liebende Mutter zu
sein, die sich für alles interessiert, was im Leben des Kindes passiert, und
dann dem Schmerz, den sie empfindet, als Boy nicht mehr da ist. Auch die zweite
Frau, vermeintlich verantwortlich für den Tod, wird mit vielen schwierigen Emotionslagen
präsentiert, die ihr das Leben in Gemeinschaft und den Umgang mit anderen
Menschen schwermachen. Erst in der Ferne und Einsamkeit können sie das
zulassen, was sie in der Heimat nicht erleben konnten.
2013 wurde Wytske Versteeg in ihrer niederländischen Heimat
mit dem BNG Nieuwe Literatuurprijs für diesen Roman ausgezeichnet, eine Anerkennung
vielversprechender Jungautoren. Im Zuge der Frankfurter Buchmesse 2016, bei der
die Niederlande und Flandern Ehrengast sind, wurde auch dieser Roman in
Deutschland bekannt. Kein leichtes Werk, das einem bisweilen an die Substanz
geht, aber dadurch enorm ausdrucksstark.
Dienstag, 18. Oktober 2016
Nathan Hill - Geister
Ein Griff nach Kieselsteinen, ein Wurf, ein Skandal. Eine
scheinbar unbescholtene Frau attackiert einen Präsidentschaftsbewerber und die
Medien reiben sich die Hände: ein Skandal, den man ausschlachten kann. An dem
Literaturprofessor Samuel geht das völlig vorbei. Frustriert von seinem Dasein verbringt
er die meiste Zeit mit Online-Spielen. Dass ihm eine Studentin ernsthaft droht
und seine bescheidene Karriere zerstören will, passt da nur ins Bild. Erst als
er realisiert, dass die Steinewerferin seine Mutter ist und diese offenbar 1968
eine entscheidende Rolle in den Chicagoer Studentenprotesten gespielt hat, wird
Samuel in die Realität zurückkatapultiert. Wer ist diese Frau, die ihn geboren,
aber schon in jungen Jahren verlassen hat und welche Geister der Vergangenheit
hat sie mit ihrer Attacke heraufbeschworen?
Nathan Hills Erstlingswerk ist mächtig. Die rund 850 Seiten
lassen einem erst einmal zucken, doch dann fliegen die Seiten nur so dahin.
Sowohl Samuels Geschichte in der Gegenwart, sein wenig zufriedenstellendes
Dasein, sein Ärger mit den Studenten - leider kommt gegen Ende die Geschichte
um Laura viel zu kurz, ein wirklich unterhaltsamer Charakter, der mir mehr als
einmal ein Grinsen ins Gesicht zaubern konnte - und seine Spielsucht sind
authentisch geschildert und sicherlich weit weniger individuell als man
zunächst glauben mag. Seine Kindheitsschilderungen, geprägt durch die Brille
des Kindes, das nicht alles versteht, nur Teile sieht und die Zusammenhänge
erst spät nachvollziehen kann, konnten überzeugen. Am stärksten jedoch ganz
sicher ist der Handlungsstrang um Faye und die Studenten 1968. Wie aus dem
braven und strebsamen Mädchen eine vermeintliche Prostituierte und Rebellin
werden konnte, wird glaubwürdig nachvollziehbar beschrieben. Als weiterer
Aspekt wird die Vergangenheit von Samuels Großvater und seine undurchsichtige
Flucht aus Norwegen eingeflochten, auch hier spannende Wendungen und
Geheimnisse, die nach und nach gelüftet werden.
Ein insgesamt vielseitiges Buch, dass parallel mehrere
Handlungen gekonnt miteinander verwebt, ohne den roten Faden zu verlieren. Sich
auf dieser Länge nicht zu verheddern, ist eine Kunst, die Nathan Hill wirklich
beherrscht. Auch die verschiedenen Motive der Figuren greifen am Ende
glaubwürdig ineinander, es bleiben keine Fragen offen, so dass man eine runde
Geschichte hat, die sich über mehrere Generationen zieht. Auch schafft es Hill
sein Tempo an die Handlung anzupassen, die Aufstände werden mit kurzen Kapiteln
und schnell wechselnden Perspektiven geschildert, die Rückblicke in die
Kindheit verlaufen langsamer und intensiver. Handlung und Ton finden so stimmig
zueinander.
Ein toller, vielseitiger Roman, der von der ersten bis zur
letzten Seite überzeugt.
Herzlichen Dank an den Piper Verlag für das
Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zum Buch finden sich auf der Seite desVerlags.
Anne Tyler - Die störrische Braut
Im Haushalt der Battistas läuft vieles anders als in anderen
Häusern. Dr. Battista hat wenig Sinn für überflüssige Dinge wie Essen, die
Spülmaschine wird aus und wieder eingeräumt, warum den Umweg über den
Küchenschrank nehmen? Die Töchter muss er alleine erziehen, wobei das eher in
der Hand der Natur liegt, lieber verkriecht er sich in sein Labor. Entsprechend
fristet Kate mit 29 ein jungfernhaftes Leben mit einem Job im Kindergarten, den
sie hasst, der aber nach Abbruch des Studiums die einzige Alternative war.
Bunny ist mit ihren 15 Jahren das genaue Gegenteil. Das eingespielte Trio lebt
nach festen Routinen bis diese einen herben Schlag erhalten: Dr. Battistas
Assistent droht ausgewiesen und somit die letzten Jahre Forschung zunichte
gemacht zu werden. Da wäre es dich passend, wenn Pjotr einfach Kate heiraten
könnte. Völlig überraschend für den Vater ist die zukünftige Braut ist wenig
angetan von der Idee, den schrägen Polen zu ehelichen.
Anne Tylers Roman ist eine Hommage an William Shakespeares
" Der Widerspenstigen Zähmung" und im Ehrenjahr des großen Dichters
erschienen. Der Autorin gelingt es den leichten Ton der Komödie auch in ihrem
Buch aufzugreifen. Mit viel Situationskomik und schrulligen Charakteren ist das
Lesen ein wahres Vergnügen. Der durchaus etwas stereotypisch geratene Forscher,
dem der Alltag zuwider ist, die störrische junge Frau, die mit ihrer direkten
Art aneckt, aber durch ihre intelligenten Anmerkungen viel Spaß macht, das
etwas dumpfe junge Mädchen und zuletzt der sprachlich eingeschränkte
Einwanderer - in der Tat ein Kuriosenkabinett. Das alles in einem Plot ohne
große Schnörkel, aber mit kleinen Verwicklungen, die für reichlich Turbulenzen
sorgen und so ein herrlich unterhaltsames Lustspiel ergeben.
Was ist von den Remakes von Shakespeares Stücken zu halten?
Der große Dichter hat ja nun selbst seine Plots übernommen, Generationen und
Jahrhunderte überdauernde Motive gewählt, die gerade deshalb auch heute noch
populär sind. Ein bekanntes Sujet zu transformieren und zu adaptieren ist keine
leichte Sache, wenn es originell und überzeugend werden soll. Anne Tyler ist
das gelungen. Sie kann unterhalten, das Setting passt in die heutige Zeit, ist
in sich stimmig und transportiert meines Erachtens den Geist Shakespeares auf
wunderbare Weise: das Volk kam ins Theater, um unterhalten zu werden. Anne
Tyler bietet ein Buch an und der Leser wird unterhalten.
Herzlichen Dank an das Bloggerportal für das
Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zum Titel finden sich auf der Seiteder Verlagsgruppe RandomHouse.
Lucy Foley - The Invitation
Early
1950s, Hal Jacobs has fled England to find his future as a writer in Rome. When
a friend cannot make it to a party of a highly-regarded Contessa, Hal takes the
invitation and goes there instead. At the door, he is rejected, but the host
finds him interesting and ask him to enter. The same evening, he meets a woman
whom he will never forget, but she is gone as suddenly as she appeared. Only
two years later, when Hal has accepted a job with the Contessa, he will meet
her again. To promote a film project, the actors as well as other staff will
sail the French-Italian coast and stop over from time to time. Hal is asked to
accompany them and to write about the trip. When he meets Stella, he is struck,
but the presence of her husband makes it difficult for him to approach her.
Yet, their former meeting is not the only secret on board.
Lucy Foley
sends us back into the post-war era of Italy. The gap between the rich and the
poor is visible everywhere, as are the scars from the war-time. Everybody has made
their traumatising experiences and wants to bury them. However, some things are
not as easy to forget as others. It is this specific ghost that the author
awakes in the characters and manages to portray in a convincing way. The
atmosphere of this time and place can well be felt throughout the novel. The
setting is one of the strongest points for me. The characters are also
interestingly drawn, especially Stella with her slowly unfolding past can lead
through the novel. But also the male characters, especially when Stella's husband
realises Hal's interest in his wife become more and more interesting.
All in all,
a journey back into the past which profits from the author's capacity of
creating a stunning setting for an unusual love story.
Rabih Alameddine - The Angel of History
Satan has
to have a word with Death, somethings wrong with Jacob and for quite some time
they got along quite well. But now, Jacob, a poet by devotion, is looking for
help in a psychiatric clinic. It is not the first time Jacob is there, but this
time, things seem to be serious. While waiting for the doctor, he thinks back
to the time when he was a child, first fleeing Yemen with his mother, then
finding shelter in a whorehouse in Egypt. Years later his father puts him into
a church school in Lebanon. But also newer memories arise, his lovers whom died
one after the other, his cat who picked Jacob and his roommate albeit they
never wanted to care for a pet. Like this, the evening advances slowly.
Admittedly,
I had serious problems finding into the novel. The most problematic was that I
could not perceive the different parts as belonging to the same book. The
discussion between Satan and Death is quite absurd and funny, here Alameddine
can really entertain the reader. Much more interesting but also depressing are
Jacob's memories of his childhood, especially his time in Cairo which, due to
the conditions, could have left deep scars and negative feelings but are
remembered as a time of being loved and feeling secure. This all is at times
interrupted by the poet's work of art which somehow does not relate at all to
the rest and then the actual situation in the waiting room with his roommate
sending texts to find out what is wrong.
Rabih
Alameddine has a poetic style of writing and to my perception, whenever we move
with the plot to the Middle East, no matter which country, his is strongest in
his expression and narration. Nevertheless, there was no real development in
the character, action I did not expect from the description, but such as it is,
I could not really make sense out of the story.
Robert Schneider - Premières Dames
Das wichtigste Amt im Staat: Monsieur le Président. Und an
seiner Seite eine Frau ohne offizielle Funktion aber immer im Blick der
Öffentlichkeit. Acht erste Damen gab es seit Gründung der V. Republik, die
verschiedener kaum hätten sein können. Robert Schneider porträtiert sie und ihr
schwieriges Verhältnis zum Amt des Mannes.
- Yvonne de Gaulle - die nach den turbulenten Kriegsjahren gerne die ruhige und traute Zweisamkeit mit ihrem Mann gelebt hätte, der sich jedoch seiner Aufgabe für das Land stellen will. Bescheiden bleibt sie im Hintergrund und vermeidet überhaupt wahrgenommen zu werden.
- Claude Pompidou - ein ganz anderes Kaliber, stellt sie die französische Version der Jacky Kennedy dar und zeigt, was die moderne Französin ausmacht. Unbeirrbar und durchsetzungsstark bleibt sie auch Jahrzehnte nach dem Tod des Mannes eine resolute Frau, die ihre Ziele beharrlich weiterverfolgt.
- Anne-Aymone Giscard d'Estaing - geborene Prinzessin hat sie das Amt immer gehasst und die Medien dazu, die an ihr kaum ein gutes Haar ließen. Schon Jahre vor Ende der Amtszeit bekannte sie, auf keine Wiederwahl ihres Mannes zu hoffen.
- Danielle Mitterrand - kann eine Frau mehr Stil beweisen als bei der Beerdigung des Gatten dessen Geliebte und uneheliche Tochter am Sarg dabei zu haben? Überzeugte Sozialistin muss sie schnell erkennen, dass sie machtlos ist und nur durch Provokation etwas erreichen kann.
- Bernadette Chirac – lange Jahre im politischen Betreib haben sie auf ihre Aufgabe vorbereitet. Eine Ehe gegen den Wunsch der Familie, hat sie doch früh das Potenzial des Gatten erkannt.
- Cécilia Sarkozy - unabhängig und eigenwillig wäre sie beinahe nie Première Dame geworden und ist es auch nur fünf Monate geblieben. Wer verlässt schon einen Präsidenten? Nur eine sehr eigene Frau.
- Carla Bruni - Glamour zieht in den Elysée Palast ein. Einer der reichsten italienischen Familien entstammend, gebührende Bildung und eine Karriere als Sängerin und Model, dass diese Frau dem Mann die Show stiehlt, ist klar. Und doch ordnet sie sich anstandslos unter.
- Valérie Trierweiler - Première Petite Amie, da nie mit François Hollande verheiratet. Sie hat als moderne Frau mit Beruf und Karriere die größten Schwierigkeiten und den vermutlich ebenfalls größten Skandal bei der Trennung. Hoffnungsvoller Höhenflug zu Beginn und kläglicher Absturz.
Interessante Einblicke, geheime Details, ein Leben zwischen privatem
Glück/Unglück und der Öffentlichkeit, was sich nur schwer vereinbaren lässt.
Unterhaltsam geschrieben und gleichsam informativ, werden die Porträts zu einer
interessanten Lektüre. Querverbindungen und Vergleiche schaffen Verbindungen
und erlauben einen tiefen Einblick in die Maschinerie der französischen
Politik. Bleibt die Frage, wer in weniger Monaten als nächste Première Dame den
Palast betritt oder ob es ein Wiedersehen mit einer Bekannten gibt.
Dienstag, 11. Oktober 2016
Jennifer Niven - Holding up the Universe
Jennifer Nivens Roman ist eine recht typische Young Adult Geschichte, im Wechsel aus den Perspektiven von Libby und Jack erzählt. Jacks Erkrankung an Prosopagnosie ist dabei recht ungewöhnlich, ansonsten folgt der Roman bekannten Schemata der jugendlichen Liebesromane: sich treffen, gut finden, Zuneigung nicht zugeben können, trennen, doch zueinander finden. Dazu noch das Mantra, dass Aussehen und Gewicht keine Rolle spielen, sondern nur die inneren Werte zählen. Ich hätte mir ein paar mehr Ideen jenseits ausgetretender Wege gewünscht. Man merkt, dass der Roman für den amerikanischen Massenmarkt geschrieben wurde und die political correctness durch und durch erfüllt. Positiv lässt sich bemerken, dass sich der Roman recht flott liest, die Dialoge haben durchaus auch Unterhaltungswert. Daher eine sehr leichte Unterhaltung, die dem passenden Publikum sicher gut gefallen wird.
Samstag, 8. Oktober 2016
Feridun Zaimoglu - Isabel
Isabel hat genug. Es muss Ende sein und deshalb packt sie
ihre Sachen und verlässt ihren Freund. Sie streift umher in Berlin, begegnet
Menschen, vorrangig am unteren Ende der Nahrungskette. Verdient Geld mit zwielichtigen
Aufträgen, kommt weder vorwärts noch zurück. Ihre Eltern wollen den Weg in die
Bürgerlichkeit für sie ebnen, aber die präsentierten Heiratskandidaten können
nicht überzeugen. Doch dann kommt Markus. Zurück aus dem Kosovo, aus dem Krieg,
der ihn auch immer wieder in Berlin einholt. Auch er sucht nach einem anderen
Leben, denn das alte ist es nicht wert, weitergelebt zu werden.
Ich habe nie wirklich Zugang zu Feridun Zaimoglus Roman
bekommen. Zu fremd blieben mir die Figuren, vor allem Isabels launenhaftes Hin
und Her, das nicht wirklich erkennen ließ, dass sie irgendeinen Plan hat, hat
mich eher genervt als Verständnis für sie zu wecken. Auch die entstehende Liebe
zwischen ihr und dem Soldaten – der auch meist nicht mit seinem Namen, sondern
seiner ehemaligen Funktion genannt wird, was ich sehr verstörend fand – hat sich
mir nicht erschlossen. Sind sie eine Zweckgemeinschaft, ein sich gegenseitig
bemitleidend und haltendes Notbündnis? Natürlich gehören in dieses Setting die
Menschen, mit denen man nicht unbedingt täglich Umgang haben möchte, sprechen
diese eine Sprache, die man abstoßend und vulgär finden kann – das hat der
Autor auch glaubwürdig und authentisch eingefangen, aber was bleibt über die
Atmosphäre hinaus? Für mich gibt es keine wirkliche Erkenntnis nach dem Lesen, denn
auch Sozialkritik kann ich nicht entdecken. 2014 war das Buch für den deutschen
Buchpreis nominiert. Nimmt man einen ähnlichen Kandidaten aus 2016, Philipp
Winklers „Hool“, der ebenfalls in einem schwer zugänglichen Milieu angesiedelt
ist, so kann dieser jedoch mit viel differenzierterer Betrachtung und klarer
Message punkten. Was auch immer Zaimoglu sagen wollte, mir hat er nichts sagen
können.
Richard Flanagan - Die unbekannte Terroristin
Gina Davis, genannt Puppe, hat Träume, mit dem Geld, das sie
sich als Tänzerin in einer Nachtbar verdient, will sie irgendwann ein neues
Leben anfangen. Bald schon wird sie genug zusammen haben, um eine eigene
Wohnung anzuzahlen. Als Puppe nach den Mardi Gras Feiern mit einem Mann eine Nacht
verbringt, ahnt sie schon, dass dies vielleicht ihrem Leben eine neue Wendung
gibt, immerhin haben sie Nummern ausgetauscht. Und tatsächlich wird ihr Leben
nicht mehr so sein wie zuvor: der Unbekannte war ein vermeintlicher Terrorist
und sie die letzte, die mit ihm gesehen wurde. Auf pixeligen Bildern einer
Überwachungskamera ist zu sehen, was die Polizei und die Medien sehen wollen:
ein Terroristenpaar, das Australien in Angst und Schrecken versetzen will. Die
Terrorfahndung läuft und Puppe versucht davonzulaufen.
Richard Flanagan bringt die vermutlich schlimmsten Ängste
der „einfachen“ Bevölkerung auf den Punkt: einerseits der Terrorist, der wie
ein guter Bürger unbekannt und unbehelligt neben einem wohnt und seine perfiden
Pläne schmieden kann; andererseits das Opfer einer unheimlichen Verschwörung zu
werden und keinen Ausweg mehr zu finden. Das Setting seines Romans bietet genau
dies: auf der Polizei, Geheimdiensten und Politikern lastet ein enormer Druck, dem
Volk Schuldige zu präsentieren, zu zeigen, dass man die Lage im Griff hat und schnellstmöglich
Verbrecher ausschalten kann. Dass dieser Druck bisweilen zu voreiligen oder gar
falschen Ergebnissen führt, ist offenkundig. Auf der anderen Seite steht die
Protagonistin, die ihre Lage lange Zeit gar nicht erfassen kann und dann wie
ein verschüchtertes Tier getrieben wird von den Medien und den Ordnungsorganen
bis sie sich selbst zu einer reinen Verzweiflungstat genötigt sieht. Innerhalb weniger
Tage wird aus einer Zeugin eine schwarze Witwe, die meistgesuchte Täterin
Australiens, eine Frau, deren Leben in die Öffentlichkeit gezerrt wird. Wie
sich aus einer einzigen Information ein ganzes, verzerrtes Bild entwickeln kann
und wie sich diese Dynamik nicht mehr aufhalten lässt, zeigt Flanagan auf
beeindruckende Art und Weise.
Der Roman kann vor allem überzeugen durch die gelungene
Kombination einer spannenden, fast krimihaften Story, die mit recht hohem Tempo
voranschreitet und von einer glaubwürdigen, facettenreichen Protagonistin
getragen wird. Zum anderen von Flanagans kritischen Darstellung des Lebens in
einer verängstigten Gesellschaft. Die Menschen sind bereit zu glauben, was die
Medien ihnen vorsetzen. Die Medien stehen unter dem permanenten Druck neue und
vor allem sensationelle Nachrichten zu produzieren, um ihre Stelle am Markt zu
behaupten. Die Politiker müssen liefern, Stärke zeigen und können lange
Ermittlungen nicht dulden. Ein Teufelskreis indem alle sich gegenseitig
antreiben und dabei völlig den Blick für die Realität verlieren, nicht mehr hinterfragen
und bereit sind, die absurdesten Szenarien für möglich zu halten. Wer hier
zwischen die Räder der Maschinerie gerät, kann nicht mehr heile rauskommen.
„Die unbekannte Terroristin“ – ein literarischer Beitrag zu
aktuellen Entwicklungen, der uns vor Augen führt, dass wir gelegentlich
innehalten und fragen sollten, ob wirklich alles so ist, wie es scheint und wer
gerade bestimmt, was wir sehen und glauben sollen.
Herzlichen Dank an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zum Titel finden sich auf der Seite des Verlags.
Herzlichen Dank an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar. Mehr Informationen zum Titel finden sich auf der Seite des Verlags.
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